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  • C.A.M.P. – Vom Schmiedehandwerk zu modernster Sicherheitstechnik

Mit innovativen Geräten wie Turbofoot, Turbochest, Goblin, Druid und den mittlerweile in vielen Produkten verbauten Gyro- und Enigma-Wirbeln sowie den Gyro Lanyard Halteseilen hat sich der italienische Hersteller C.A.M.P. einen Namen gemacht – auch in der Baumpflegeszene. Doch wer verbirgt sich eigentlich hinter der Marke? Wir waren in dem kleinen norditalienischen Ort Premana und haben uns das Familienunternehmen für euch genauer angesehen.

Premana – kleine Idylle in der Lombardei

C.A.M.P. hat seinen Firmensitz in dem malerischen Bergdorf Premana, in der Nähe des Comer Sees. Mit rund 2200 Einwohnern ist der idyllisch gelegene Ort recht überschaubar. Wie viele Bergdörfer kann auch Premana auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Ein Besuch im ethnologischen Museum vor Ort zeigt uns, dass die Vergangenheit Premanas von Metallerzeugnissen und deren Herstellung geprägt ist. Bis ins 20. Jahrhundert wurde in dieser Gegend Eisenerz abgebaut und Stahl erzeugt. Neben alltäglichen Werkzeugen wie Scheren und Messern wurden hier auch exotischere Waren gefertigt, wie beispielsweise die Bugbeschläge der venezianischen Gondeln. Und bis heute werden hochwertige Kuhglocken in allen erdenklichen Größen hier produziert – echte Handwerkskunst anstatt industrieller Massenware.

  • Eine schwarz getigerte Katze sitzt auf der steinernen Schwelle einer blauen Haustüre.

    Nicht nur Katzen fühlen sich hier heimisch

  • Einige aus Stein erbaute Häuser vor einem Bergpanorama mit blau-weißem Himmel.

    Bergdorfidylle in Premana

  • Ein idyllisches Dorf inmitten hoher Berge mit schneebedeckten Gipfeln und Nebel.

    Bei jedem Wetter ein malerischer Anblick

Schmiedekunst und Bergsportgeschichte

Auch C.A.M.P. selbst entstammt dieser langen Tradition von Metallverarbeitern. Das familiengeführte Unternehmen wurde 1889 von dem damals erst 18-jährigen Nicola Codega gegründet. Anfangs stellte die Schmiedewerkstatt ausschließlich Waren für den alltäglichen Bedarf her. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1920, wurde sein Sohn und Nachfolger Antonio Codega vom Militär beauftragt, einen Eispickel zu entwickeln und zu produzieren. Dieser berühmte Eispickel für den Alpini-Korps markierte den ersten Schritt in den Bergsportbereich. Zu den Eispickeln gesellten sich bald auch weitere Produkte wie Steigeisen, Felshaken und Steigklemmen. Später übernahm C.A.M.P. kurz vor dem Tod von Bergsportlegende Riccardo Cassin das Unternehmen CASSIN. Zu Ehren und Gedenken des 2009 verstorbenen Freundes waren spezielle Produkte für Eisklettern, Big-Wall-Klettern und Bouldern bis zum umfangreichen Re-Branding im Jahr 2022 weiter unter dem Label CASSIN auf dem Markt.

  • Schwarz-weiß Foto des Gründers der Firma Camp: Nicola Codega

    C.A.M.P. Gründer Nicola Codega

  • Schwarz-weiß Foto der früherern Produktionsstätte der Firma Camp

    C.A.M.P. Produktionsstätte Mitte des 20. Jahrhunderts

  • Ein Eispickel mit Holzstiel hängt an einem alten Bilderrahmen.

    Womit alles begann…

Soziale Verantwortung vor Ort

Trotz der schlechten Infrastruktur und engen Platzverhältnisse befindet sich der Firmensitz von C.A.M.P. weiterhin in dem idyllischen Städtchen. Mehrere Zulieferer sitzen nur einen Steinwurf von der Zentrale entfernt im gleichen Ort. Von den 80 festangestellten C.A.M.P.-Mitarbeitern in Italien stammen viele aus Premana und den umliegenden Dörfern. Berücksichtigt man alle Standorte und regionalen Produzenten, dann arbeiten täglich 250 Menschen an der Entwicklung und Herstellung von C.A.M.P.-Produkten.
Dieser hohen, sozialen Verantwortung ist sich die Familie Codega bewusst. Die meisten Geschäftsbeziehungen bestehen schon seit vielen Jahren. Viele Einzelteile werden von Manufakturen direkt vor Ort in Premana hergestellt und montiert. Diese kleineren Unternehmen sind, genau wie C.A.M.P. selbst, Familienbetriebe. Die enge Zusammenarbeit funktioniert quasi auf Zuruf über die Straße.

Tradition und Offenheit

Seit 2004 ist das Unternehmen nunmehr in der Hand der vierten Generation. Sechs Brüder und Cousins haben die verschiedenen Aufgaben innerhalb der Geschäftsführung und einzelne Produktsegmente untereinander aufgeteilt. Inzwischen ist bereits die fünfte Generation ins Unternehmen integriert. Seit 1998 entwickelt C.A.M.P. Safety neben hochwertiger Outdoor-Ausrüstung auch technische Ausrüstung für den Profimarkt – für alle, die in der Höhe arbeiten wollen. Trotz stetiger Erweiterung der Produktpalette bleibt die Produktion immer in den eigenen Händen, um höchste Qualität und größtmögliche Unabhängigkeit zu gewährleisten. Jüngstes Beispiel für die Wandlungsfähigkeit des ehemals rein metallverarbeitenden Unternehmens ist 2021 der Aufbau einer eigenen Seilerei in Tschechien, wo C.A.M.P. nun auch eigene Seile und andere textile Elemente produziert.

  • Vier Männer: Benedetto, Orazio, Nicolino, Samuel Codega (von links nach rechts)

    Bis 2004 leitet die 3. Generation das Unternehmen C.A.M.P.: Benedetto, Orazio, Nicolino, Samuel Codega (von links nach rechts)

  • Graues Industriegebäude mit dem Logo der FIrma C.A.M.P

    C.A.M.P.´s modernes Firmengebäude in Premana / Italien. Abgelegen in den Bergen.

  • Blau-rote SEile der Firma Camp

    C.A.M.P. Seile und textile Elemente kommen seit 2021 aus eigener Seilerei in Tschechien

C.A.M.P. weltweit

Die Geschäftsführung von C.A.M.P. legt bei allem Wachstum bis heute großen Wert auf ihre Unabhängigkeit als Hersteller und 100 % hauseigene Kontrolle der Produktion. Das Familienunternehmen lässt mittlerweile zwar auch im Ausland, aber immer 100 % exklusiv produzieren, wobei die Qualitätssicherung durch eigene Mitarbeitende vor Ort (selbst in Fernost) gewährleistet wird. Dies ermöglicht C.A.M.P. den vollständigen, andauernden Überblick über die Produktionsprozesse, stellt sicher, dass alle Produkte den eigenen hohen Qualitätsstandards entsprechen und verhindert Lieferengpässe oder -ausfälle. Doch nicht nur die Produktionsstätten haben sich seit 1889 ausgedehnt. Bei bleibender starker Bindung an den idyllischen Hauptsitz in der Lombardei ist C.A.M.P. mittlerweile in 84 Ländern und auf allen Kontinenten aktiv. Das internationale Netzwerk umfasst Niederlassungen in Frankreich, den USA, Russland und Deutschland.

Forschung und Entwicklung zuhause

Was nicht über den halben Globus wandert, das ist die Entwicklung der C.A.M.P. Produkte. In den letzten 25 Jahren haben die Codegas sehr stark in Forschung, Entwicklung und eigene Testlabore investiert. Die Entwicklungsabteilung befindet sich trotzdem noch immer im 2200-Seelen-Dorf Premana. Hier wird der Kopf der Firma auch immer bleiben, sagt die Geschäftsführung. Experten aus dem Ausland kommen deswegen regelmäßig zu Besuch in das kleine Dorf. Für C.A.M.P. ist die Entwicklung zuhause eine Bedingung für die Marken-Stabilität und eine zentrale Strategie, um in eigenem Tempo, mit eigenen Ideen und hohen Qualitätsstandards Wachstum und Entwicklung voranzutreiben. Wobei C.A.M.P. sich hier nicht unter Druck sieht. Als Familienunternehmen, das seit weit über hundert Jahren besteht und stetig wächst, werden viele Dinge, auch geopolitische Bedingungen und Veränderungen in der Manufaktur durch KI-Technologien etc., zwar wichtig genommen und berücksichtigt, aber mit ausreichend Gelassenheit und gesundem Selbstbewusstsein betrachtet.

  • Eine Hand führt eine Maschine, die einen Karabiner herstellt.

    Präzision ist gefragt!

  • Ein Zettel mit der Aufschrift \

    Und viel zu kontrollieren…

  • Ein Mann steht an einer Maschine, die gerade einen Karabiner von Camp herstellt.

    Hier entsteht ein Enigma-Wirbel

Von der Idee zur Zertifizierung

Bis ein Produkt auf den Markt kommt, haben sich viele Menschen viele Gedanken dazu gemacht. Insgesamt 15 Mitarbeitende sind allein für die Produktentwicklung zuständig. Am Computer werden mit CAD-Programmen Skizzen und Formen erstellt. Mit 3D-Druckern werden innerhalb kürzester Zeit Ansichtsexemplare erzeugt. Danach können an Prototypen auch schon erste Belastungstests durchgeführt werden, die bereits sehr nahe an die erforderlichen Werte reichen. Im hauseigenen Labor kann C.A.M.P. alle notwendigen Untersuchungen durchführen: Schlagtests auf Helme, Reißfestigkeit von Schlingen und Gurten, Bruchfestigkeit von Karabinern und vieles mehr. Die neu entwickelten Produkte können direkt vor Ort getestet werden, ob sie den gewünschten Normen entsprechen. Sie gehen am Ende direkt in die Zertifizierung und bestehen meist auf Anhieb. C.A.M.P. war übrigens eines der ersten Unternehmen der Ausrüstungsbranche, das die Zertifizierung nach ISO 9001 erhielt.

  • 3D Scanner blickt auf ein Podest auf einem Tisch.

    Hightech 3D-Scanner

  • Ein Torso mit einem roten Klettergurt an hängt an einer Messvorrichtung im Fallturm.

    100kg-Torso bereit zum freien Fall

  • CAD-Modell auf einem Bildschirm

    CAD-Produktmodell am Bildschirm

  • Ein Mann sitzt am Schreibtisch. Auf dem Bildschirm ist das CAD-Modell eines Eispickels zu sehen.

    Produktentwickler bei der Arbeit an einem neuen Eispickel

  • Helme liegen auf speziellen Prüfvorrichtungen.

    Sicherheitsprüfung von Schutzhelmen

  • Blick von oben in den Fallturm, in welchem ein Torso mit rotem Klettergurt hängt.

    Blick in den Fallturm

Erprobung in realen Höhen

Die Produkte werden aber nicht nur im Labor getestet. Viele Mitarbeiter von C.A.M.P. sind exzellente Sportkletterer. Die Berge der Provinz Lecco bieten perfekte Bedingungen für verschiedene Bergsportarten. So kann das fertigen Endprodukt gleich unter realen Bedingungen auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Mitarbeiter entwickeln und produzieren also genau das, was sie selbst auch verwenden wollen und sie bringen fortlaufend eigene Ideen und Erfahrungen in die Produktentwicklung mit ein.

  • Berggipfel in Premana im Nebel.

    Berggipfel in Premana

  • Blick auf den Comer See

    Blick auf den Comer See

  • Gurte, Taschen und weitere Kletterausrüstung hängt an einer Wand.

    Alles, was das Bergsteigerherz begehrt!

  • Neun unterschiedliche Eispickel hängen von der Decke.

    Hier hängt der Himmel voller Eispickel

  • Christial Bickel mit rotem Camp-Pullover und grau-rotem Kletterhelm steht an einer Leiter im Klettersteig.

    Christian Bickel, Country Manager C.A.M.P. Deutschland, im Gamma1 Klettersteig

  • Graues Gebäude vor Bergpanorama. Im Fenster ist der Schriftzug C.A.M.P zu lesen.

    C.A.M.P. Verwaltung

Heimatbewusstes (Re-)Branding 2022

Im Jahr 2022 gab es ein Re-Branding der Marke zu einheitlichen „C.A.M.P.“. Was vorher CAMP, CAMP Safety und CASSIN war, bekam dadurch deutlich mehr Sichtbarkeit. Aber nicht nur der Name änderte sich, auch das Logo erhielt einen neuen Anstrich. Das Piktogramm links neben dem Schriftzug ist einem Geschenk der Natur gewidmet. Es zeigt die eindrucksvolle Bergkulisse, welche sich hinter Premana und dessen Tal befindet. Der Schriftzug C.A.M.P. ist ein sogenanntes Akronym (aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes Kurzwort). Die tiefe Verbundenheit des Unternehmens zu seinen Ursprüngen spiegelt sich hier wider. Die Abkürzung C.A.M.P. steht für Costruzione Articoli Montagna Premana. Frei übersetzt bedeutet das in etwa: Entwicklung und Herstellung von Bergsportartikeln Premana.

  • Drei Logos von Camp sind der Reihe nach zu sehen.

    Weiterentwicklung einer Marke

  • Das C.A.M.P. Logo ist zu sehen. Darunter hängt ein Bild, auf dem die Bergspitzen des Heimatbildes das Logo abbilden.

    Das neue C.A.M.P. Logo seit 2022

  • Die Eingangstüre von Camp. In den Fenstern sieht man zwei eingebaute Eispickel.

    C.A.M.P. Eingangstür

Vision und Wurzeln

Nach diesem Besuch können wir positiv beeindruckt sagen: C.A.M.P. steht für jahrhundertealte Handwerkskultur und fortschrittlichste Technologie gleichermaßen. Mit ihrem ausgeprägten Bewusstsein für ihre Wurzeln und einem klaren Blick für die Zukunft setzt die Familie Codega seit 1889 alles daran, hochwertige und zuverlässige Produkte zu entwickeln. Diese Produkte sind geprägt von verlässlicher Tradition und einem innovativen Geist. Diese Symbiose macht C.A.M.P. zu einem absolut unverzichtbaren Namen in der Welt des Bergsports, der Baumpflege und der Höhenarbeit generell.

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